![]() |
||||||||||||||||||
|
26.09.2005 Viel war diskutiert, spekuliert und prophezeit worden im Vorfeld des traditionsreichsten Derbys im Kärntner Fußball – am Montag war es endlich soweit, erstmals seit 6 Jahren gab’s wieder das Aufeinandertreffen von Spittal und Klagenfurt. Klarer Favorit in dieser Begegnung war natürlich die Mannschaft aus der Landeshauptstadt. Aber es sollte ganz anders kommen… Etwa 2.200 Zuschauer waren ins Goldeckstadion gepilgert (was immerhin den besten Besuch seit mehreren Jahren bedeutet) und wurden bestens unterhalten. Maßgeblich veranwortlich dafür der SVS, der gleich mächtig loslegt: Eckball für den SVS der 5. Minute, die Klagenfurter Abwehr stellt sich auf eine Flanke ein, aber Prepoli spielt den Ball flach ans Strafraumeck zu Prenn. Ein kurzer Haken und Ex-Teamspieler Strafner ist ausgespielt, ein scharfer Flachschuss aus 12 Metern genau ins rechte untere Eck, und schon steht es 1:0 für den SVS. Ein perfekter Auftakt für den SVS und ein würdiger Torschütze –Prenn feierte am Spieltag seinen 20. Geburtstag! Auch nach dem 1:0 bleibt der SVS am Drücker und bereits wenige Minuten später hätte es 2:0 stehen können – Prenn wird im Strafraum gestoßen, aber der Pfiff des Schiris bleibt aus. Ein Elfer wäre in dieser Situation durchaus vertretbar gewesen. In der Folge zieht sich der SVS etwas zurück und überlässt dem FCK das Mittelfeld, wirklich viel können die Klagenfurter mit dem Raum und dem Ball aber nicht anfangen: Einige Flanken und Eckbälle, die alle Beute von Tormann Witteveen werden, sind die einzige Ausbeute für den FCK, wirkliche Torchancen kann sich der Erstligist nicht erspielen. Blitz, Donner und Regen über dem Goldeckstadion, aber das Klagenfurter Spiel ähnelt eher einem nebligen Novembertag am Wörthersee – langsam, fad, eintönig. Am relativ gefährlichsten ist da noch ein Freistoss, der M. Witteveen trotz nassen Bodens aber vor keine größeren Probleme stellt (32’). Dem SVS kann die Klagenfurter Harmlosigkeit nur recht sein und so geht es mit einem knappen, aber verdienten 1:0 in die Kabinen. Nach dem Seitenwechsel ist das Gewitter abgezogen, also sorgt der SVS für den nächsten Tusch: Prepoli erkämpft sich rechts im Mittelfeld den Ball, läuft ein paar Meter und schlägt eine Maßflanke an den 16er, wo sich D. Witteveen den Ball mit der Brust herunterstoppt, den Ball gegen zwei Klagenfurter abschirmt, sich dreht und im Fallen genau ins rechte untere Eck trifft (48’). 2:0 also, und erstmals an diesem Abend kann man wirklich von der großen Sensation träumen. Aber es kommt noch besser: Wer denkt, dass spätestens jetzt der FCK aufwacht, täuscht sich – der SVS bleibt die initiativere Mannschaft. In der 59. Minute fast das 3:0, als D. Witteveen 25 Meter vor dem Tor angespielt wird, einen Klagenfurter aussteigen lässt, sein Schuss aber von einem FCK-Spieler abgefälscht wird. Im Gegenzug dann die erste gute Chance für den FCK, aber M. Witteveen kann sowohl einen Schuss aus 12 Metern (von halblinks) als auch den Nachschuss abwehren. In der 65. Minute dann die endgültige Entscheidung: Nach einer schönen Angriffsaktion über Prepoli und Morgenstern kann der Tormann eine Prenn-Bombe zwar noch aus dem Kreuzeck fischen und zum Corner abwehren, aber genau aus diesem Eckball fällt das 3:0 – Trupp ist am Fünfer völlig ungedeckt und köpft den Ball per Aufsetzer in die Maschen. Schrecksekunde gleich danach, als der Klagenfurter Djulic mit einem satten Schuss aus 12 Metern trifft (67’), aber die Fahne des Linienrichters ist oben – Abseits, es bleibt beim 3:0! Spätestens ab jetzt herrscht Partystimmung im Goldeckstadion – 25 glückselige Caballeros feiern die Mannschaft, Bengalen werden abgebrannt und auch das restliche Publikum spendet des öfteren Szenenapplaus. Das Ehrentor für den FCK durch Hota (85. Minute, schöne Direktabnahme ins lange Eck) wird zwar zur Kenntnis genommen, tut der Feierlaune aber keinen Abbruch. In der 90. Minute fast noch das 4:1 durch den eingewechselten Simic, vier Minuten später ist das Spiel dann tatsächlich aus und die Sensation perfekt. Fazit: Die Phrase „Pauschallob der gesamten Mannschaft“ ist abgedroschen, aber für die Leistung des SVS in diesem Spiel trifft sie hundertprozentig zu. Maro Witteveen war ein starker Rückhalt und zeigte keinerlei Unsicherheiten. Die Abwehr mit Claus Neidhardt, Hannes Jochum, Daniel Trupp und Thomas Pirker spielte kompromiss-und schnörkellos und ließ kaum gefährliche Angriffe zu. Im Mittelfeld machten Hannes Truskaller und Udo Gasser die Räume eng und stoppten das Klagenfurter Angriffsspiel schon im Ansatz und sorgten ihrerseits für deutlich mehr Offensivgefahr als die hochbezahlten Klagenfurter Mittelfeldakteure. Geburtstagskind Norman Prenn bekam durch seinen Treffer sichtbar mehr Selbstvertrauen und spielte seine technische Stärke mehr als nur einmal aus, Martin Morgenstern glänzte mit Lauf- und Kampfkraft. David Witteveen erzielte nicht nur einen herrlichen Treffer, sondern war auch sonst von der Klagenfurter Abwehr kaum in den Griff zu bekommen. Und Arsim Prepoli bot seine bislang beste Leistung im Spittal-Dress: An allen drei Toren als Vorbereiter beteiligt, technisch sehr stark und auch kämpferisch sehr engagiert – Prädikat wertvoll! Das Lob sollte aber nicht nur den Spielern, sondern auch Trainer Peter Hrstic gelten, der die Mannschaft taktisch perfekt auf den Gegner einstellte. Was am 26.9.2005 zwischen 19 und 21 Uhr im Goldeckstadion passiert ist, kann zweifelsohne als Highlight der jüngeren Klubgeschichte bezeichnet werden. Wer gesehen hat, wie Neidhardt & Co mit Herzblut und Können die Profitruppe des FC Kärnten zerlegt haben, kann nur DANKE sagen für diesen denkwürdigen Abend. Und die Frage, wer die Nummer eins in Kärnten ist, wurde wieder einmal eindrucksvoll beantwortet: Oberland schlägt Unterland, Herz schlägt Geld, Sonne schlägt Nebel, Millstätter See schlägt Wörthersee, kurz gesagt: Der SV Spittal schlägt den FC Kärnten – auch und erst recht im 3. Jahrtausend!
|
|||||||||||||||||